Ausflug in die Glasbläserei Hergiswil

Ausflug in die Glasbläserei Hergiswil

Dem ewigen Emigranten Roberto Niederer ist es zu verdanken, dass es die Glasi Hergiswil heute noch gibt.
Wie ist es möglich, dass es ausgerechnet einem autodidaktischen Glas-Narren, wie Niederer sich selbst bezeichnete, gelungen ist, ein strauchelndes Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen?

Um hier am 19. August 2016, eine Antwort darauf zu finden müssen wir zuerst den Blick, auf den Busbahnhof Zürich richten.

Zwei Reisecars ab Basel und ab Zürich

Bereits um 08.30 Uhr, wartet Ursina Bosshard, an diesem warmen Tag mit einer Teilnehmer – Liste in der Hand, zusammen mit dem Buschauffeur, vor dem sauber geputzten Hardegger-Reisecar, auf uns PH-Patienten.

Reise ab Zürich

Und dann kurz vor 08.45 Uhr sind alle angemeldeten Teilnehmer auf dem Busbahnhof Zürich versammelt. Alle wissbegierig zu erfahren, weshalb es dem in Napoli geborenen und gelernten Glassbläser gelungen ist, der Glasi Herigiswil eine Zukunft zu geben.

SPHV Ausflug Hergiswil

Und schon geht es los, wir fahren pünktlich aus Zürich ab und weil wir eine ruhige und angenehme Fahrt nach Hergiswil haben, dürfen wir unsere Gedanken ein wenig in die geschichtliche Vergangenheit der Schweizer Glasherstellung, abschweifen lassen.

Glasproduktion in der Schweiz

Glasarmringe aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. wurden in Bern und Basel gefunden.
Diese Ringen dürften damals lokal produziert worden sein.
Grösserer Mengen Glas wurde in der Schweiz erst während der Römerzeit produziert.
Dazu gehören Gefässe, Schmuck und Fensterglas.

Ab dem 16. Jahrhundert wurden in der Schweiz zahlreiche Hütten im Jura und Entlebuch gegründet. Die Gebrüder Siegwart aus St. Blasien (Schwarzwald) errichteten im Jahr 1732
die Glashüttensiedlung Südel in der Nähe von Sörenberg.
Ab diesem Zeitpunkt ist der Name -Siegwart- über mehrere Generationen mit der weiteren Entwicklung der Glasproduktion in der Schweiz, eng verbunden.

Holz, Holz und nochmals Holz brauchte damals die Glasproduktion und wenn es kein Holz mehr in einem Tal gab, so zogen die Glasmacher einfach in ein anderes Tal, erstellten einen neuen Glas-Ofen und verursachten mit ihrem Tun, das die umliegenden Wälder kahl geschlagen wurden.

Die Siegwarts

Die Gebrüder Siegwart, Nachkommen der ersten Siegwart-Brüder, richteten 1817 eine Glashütte am Vierwaldstättersee, eben in Hergiswil ein. Das war keine zufällige Entscheidung, sondern steht im Zusammenhang mit den Erkenntnissen aus den Anfängen der Glasmacherei in der Schweiz.

Das Kernstück einer Glashütte ist der Ofen

Dieser Ofen muss beständig mit einer Arbeitstemperatur von 1500 Grad Celsius -gefahren- werden, damit Glas geschmolzen werden kann.

Im Jahr 1817 wurde der Glasofen mit Holz betrieben und genau dieses Holz konnte der Glasi Hergiswil, aus allen Richtungen und mit geringem Aufwand, über den Seeweg zugeführt werden.
Der Produktionsstandort war deswegen ideal um Glas zu schmelzen, eine zeitgemässe unternehmerische Entscheidung der -Siegwarts-.

Vielleicht erstmals in der Schweizer – Glasgeschichte, wurde das Brennmaterial dem Glasofen zugeführt und nicht wie zuvor, die Glasöfen ständig neu in der Nähe des Brennmaterials positioniert.

Erst mal stillhalten und abwarten

Weshalb haben die -Siegwarts- während ihrer Produktionstätigkeit in Hergiswil, ihre Mitbewerber nicht beobachtet und keine neuen Produktionsmethoden erprobt?

Waren die Gebrüder vielleicht verkappte Merkantilisten oder war es etwas anderes was sie davon abhielt, sich stets neu aus zur richten?
Scheinbar bevorzugten sie es, still zu halten und ab zu warten, wie sich der Markt entwickelt.
Tatsache ist, die Mitbewerber produzierten zunehmend mit industriellen Methoden, während die -Siegwarts- , völlig beruhigt in ihren Traditionen weiter lebten.

Das Unternehmen nicht auf Massenproduktion aus zu richten, war gar nicht so verkehrt, wie wir heute wissen, aber es fehlte den -Siegwarts-, troztdem die richtige Idee für die Zukunft.

Im Jahr 1975 stand die Glasi – Hergiswil am Ende, die Schliessung stand kurz bevor.
Die Glasi-Lüüt und die Gemeinde Hergiswil, waren dazu nicht bereit, die Glasi sollte weiter bestehen.

SPHV Ausflug Hergiswil

Quelle: www.glasi.ch

Als Roberto Niederer im Jahr 1974 von der bevorstehenden Schiessung der Hütte vernahm, entschloss er sich die Glasi – Hergiswil zu übernehmen und in eine neue handwerkliche Zukunft zu führen.

Auch wenn er dabei von der Gemeinde und der Belegschaft unterstützt wurde, so ist immer noch nicht deutlich, weshalb er die Glas-Hütte, weiter betreiben konnte.

Unternehmenserfolg !

Was konnte -Niederer- was die -Siegwarts- nicht konnten?

Diese Frage beschäftigte uns auf der ganzen Fahrt von Zürich nach Hergiswil. Das ändert sich auch nicht auf der schönen Gartenterasse des Glasi-Restaurant-Adler mit Blick auf dem blauen Vierwaldstätter-See.

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Skeptischer Blick? … vielleicht hat man Bedenken die Frage nicht tiefgründig genug beantworten zu können.

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Die zweite Reise-Gruppe, welche von Basel nach Hergiswil gekommen ist und geduldig auf die Zürcher gewartet haben, wirken etwas gelassener.

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Willhelm Oesch zeigt Zuversicht, die Antwort liegt in Reichweite und viele Fakten sind in seiner Hand.

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Gestärkt mit Kaffee, Tee und dem obligaten Gipfeli, machen sich alle Teilnehmer auf ein kurzes Wegstück zum Fabrik-Eingang.

Historisches ab Lautsprecher

Wir werden in kleine Gruppen aufgeteilt und müssen eine Treppe hochsteigen, so was tun wir Lungenhochdruck-Patienten immer langsam und mit Bedacht.

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Und dann stehen wir in einem kleinen Raum, es wird auf einmal dunkel und als Lichtbild bekommen wir einen Glas-Karaffe zu sehen.

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Der “vollautomatische Vortrag” beginnt und wir wandeln von Raum zu Raum und lassen uns ab Lautsprecher, etwas über die Vergangenheit der Glasproduktion in der Schweiz erzählen.

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Es ist einfach wunderschön und atemberaubend, was es hier an Handwerks-Kunst zu sehen gibt.

Die Vielfalt der Glasprodukte lässt sich auch nicht einfach mit ein paar wenigen Bildern einfangen. Tagelang müsst man sich in dieser Glas-Welt aufhalten können um, wenigstens einen Überblick zu kriegen

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Wir bekommen derart viel zu sehen, soviel, dass mein “Berichtlein” es alleine nicht fassen kann, eher müsste man Bücher darüber schreiben.

Der heutige Wannen-Ofen

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Bildquelle: www.glasi-herigswil.ch Heute moderner Glasofen mit Gasfeuerung.

Die Produktion zeigt wie bedeutsam der Wannen-Ofen ist, dieser ist das grösste Objekt um das herum sich die ganze Glas-Herstellungs-Arbeit abwickelt.
Jeder Glas-Bläser arbeitet ganz in der Nähe dieses feurigen und rauchenden Ungetüms.

Was wir hier sehen ist ein wenig pizzar, im Vergleich zu einer modernen Fabrik. Sobald der Ofen, sein gold-gelbes Glas aus spuckt, beginnen die Glasbläser die -Gabe- sorgfältig zu bearbeiten. Jeder weiss, was er zu tun hat. An welchen Merkmalen, die Glasbläser sich bei ihrer Arbeit ausrichten bleibt uns verborgen.

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Wie hat es Roberto Niederer fertig gebracht, am Ende der “Siegwart – Ära”, unternehmerisch erfolgreich weiter zu gehen, ohne dem neuzeitlichen Diktat, der industriellen Glasproduktion folgen zu müssen?

Mickey – Mouse im Glas-Labyrinth

Wir haben auch PH-Patienten die sich lieber dem Aberwitzigen zuwenden, anstatt sich mit historisch-wissenschaftlichen Fragen zu beschäftigen.
Kaum haben Martin und Lucie das Glas Labyrinth entdeckt, konnten sie es einfach nicht lassen und mussten, sonderbar ausgerüstet, dort hinein gehen.

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Mit weissen Händen und filzigen Füssen

Was dabei geschehen kann, sieht man hier auf diesem Bild.

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Lucie versucht mit weissen Handschuhen und mit Filzpantoffeln, wieder aus dem Labyrinth heraus zu kommen, was ihr dann noch rechtzeitig zum Mittagessen, gelungen ist.

Mittagessen

12.00 Uhr die Besichtigung ist zu Ende und alle Teilnehmer begeben sich wieder zum Glasi-Restaurant-Adler zurück.

Was wir hier in etwa zwei Stunden, so alles gesehen haben ist nur ein kleiner Teil von dem was das Unternehmen Glasi-Hergiswil an Sehenswürdigkeiten bieten kann. Man müsste wieder einmal dahin gehen, um sich mit vielen Details beschäftigen zu können.

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Und das schätzen wir doch alle, sich an einen schön gedeckten Tisch zu setzen, um sich ein gutes Essen servieren zu lassen. Und wenn das Mittagessen auch noch schmeckt und der Wein mundet, ist alles bestens.

Dessert

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Ursula würde es schätzen, den Dessert ungestört geniessen zu dürfen. Trotzdem hat Sie für mein “Berichtlein”, noch kurz in die Kamera gelächelt.

MEDI+SERVICE

Was nicht so gut schmeckt und doch geschluckt werden muss, weil es wirksam ist, …sind Medikamente. Jeden Tag, genau dosiert und ohne zu murren, müssen wir PH-Patienten, die kleinen “Helferlein” schlucken.

Und weil Medikamente so wichtig für uns sind, gibt es dafür auch einen Medikamenten- Service. Was würden wir den tun, hätten wir nicht die Möglichkeit, über die prompte und zuverlässige Spezialapotheke Mediservice, mittels Postversand, unsere Medikamente zu beziehen?

Wir müssten viel Zeit und Mühe dafür aufwenden, unsere Medikamente zu besorgen, Zeit die uns fehlen würde, um hier an dem schönen Vierwaldstätter-See und bei schönsten Sommerwetter, über den genialen Roberto Niederer nach denken zu können.

Bei Mediservice geht nicht der Patient zum Medikament, sondern das Medikament kommt zum Patienten, so steht das Wohl des Patienten an erster Stelle und das schätzen wir “Schnuffis” sehr.

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An diesem Tag haben wir diese gute Idee einmal richtig feiern dürfen, doch nicht alleine.
Frau Manuela Mani, von Mediservice ist mit uns nach Hergiswil gekommen und hat uns, zu unserer Überraschung mit vielen nützlichen Dingen, samt einer grünen Tasche beschenkt.

Gruppenfoto in Hergiswil

SPHV Ausflug Hergiswil

[@uelle: Martin Blunschi]