Bewegungsprogramm nützt

Lungenhochdruck durch Lungenembolien:

Ein in Heidelberg entwickeltes Bewegungsprogramm verbessert die Kondition und das Wohlbefinden von Patienten mit operativ nicht zu behandelnder chronischer thrombembolischer pulmonaler Hypertonie. Ein „viel versprechendes Ergebnis“, so die Autoren der jetzt veröffentlichten Studie.

Die chronische thromboembolische pulmonale Hypertonie (CTEPH) ist eine Form von Lungenhochdruck, also pulmonaler Hypertonie, die sich auf dem Boden von Lungenembolien entwickelt. Durch eine Operation lässt sich die Krankheit oft heilen. Doch der Eingriff ist zum einen nur bei rund 60 Prozent der Betroffenen möglich, zum anderen bleibt die pulmonale Hypertonie auch bei einem Teil der Operierten weiter bestehen. Um Patienten mit inoperabler oder verbleibender CTEPH zu helfen und ihren Gesundheitszustand zu verbessern, werden also andere therapeutische Instrumente benötigt.

Ob körperliches Training ein solches Instrument sein könnte, hat ein Forscherteam um Christian Nagel von der Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg untersucht. Konkret geprüft wurde ein spezielles, in Heidelberg erarbeitetes Bewegungsprogramm, welches Fahren auf dem Fahrradergometer, Gehen, Hantelübungen und Atemtraining beinhaltet. Dieses Programm absolvierten die 35 Studienteilnehmer mit inoperabler oder residualer CTEPH zuerst für drei Wochen in einer Reha-Klinik, an fünf Tagen pro Woche für jeweils mindestens eineinhalb Stunden. Zu Hause führten sie das Training weitere zwölf Wochen fort, für mindestens eine halbe Stunde an fünf Tagen pro Woche.

Das vielleicht wichtigste Ergebnis: Alle Patienten tolerierten das Bewegungstraining gut, ernsthafte gesundheitliche Zwischenfälle traten nicht auf. Darüber hinaus konnten die Forscher bei ihren Probanden nach Absolvierung des 15-Wochen-Programms einen signifikanten Anstieg der – in Fragebögen ermittelten – Lebensqualität registrieren. Auch die erhobenen Messwerte, die Aufschluss über Kondition und körperliche Belastbarkeit der Probanden geben, verbesserten sich. So nahm beispielsweise die 6-Minuten-Gehstrecke bereits nach den drei Trainingswochen in der Reha-Klinik um durchschnittlich 61 Meter zu.

All dies legt nahe, dass Patienten mit inoperabler chronischer thrombembolischer pulmonaler Hypertonie von einem Bewegungstraining profitieren. Trotzdem verweisen Nagel und seine Kollegen darauf, dass noch weitere Studien notwendig sind, um diese viel versprechenden Ergebnisse zu bestätigen.

6-Minuten-Gehstrecke

Ein einfach durchzuführender und gleichzeitig recht aussagekräftiger Test ist der sogenannte Sechs-Minuten-Gehtest. Über den Zeitraum von sechs Minuten geht der Patient möglichst schnell auf einer ebenen Strecke, zum Beispiel auf einem langen Krankenhausflur. Am besten geeignet ist ein „Rundkurs“ ohne abrupten Richtungswechsel. Die zurückgelegte Distanz wird mit einem mitgeführten Distanzmessrad oder anhand der abgesteckten Strecke gemessen. Der Patient darf – wenn nötig – zwischendurch anhalten, er sollte grundsätzlich aber so schnell und so weit laufen, wie es ihm sein aktueller Gesundheitszustand erlaubt. Ein Pfleger oder Therapeut sagt jede vergangene Minute an, damit die verbleibende Testzeit für den Patienten leichter einzuschätzen ist. Gesunde, untrainierte Personen schaffen normalerweise 700 bis 800 Meter in der vorgegebenen Zeit. Mit dem Alter sinkt die Länge der zurückgelegten Strecke, auch schneiden Frauen generell eher etwas schlechter ab als Männer.

Der Sechs-Minuten-Gehtest kann durch parallel durchgeführte Puls-, Blutdruck- und Sauerstoffsättigungsmessungen ergänzt werden. Die Ergebnisse geben auch Einblick in den Verlauf einer Lungenerkrankung.

Quelle:
Nagel, C. et al.: Exercise Training Improves Exercise Capacity and Quality of Life in Patients with Inoperable or Residual Chronic Thromboembolic Pulmonary Hypertension. In: PLoS ONE, 2012, 7(7); e41603

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